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Das sind Deine Kündigungsfristen mit Beispielen

Wird ein Arbeitsverhältnis beendet, geschieht dies meistens im Rahmen einer Kündigung. Doch wie verhält sich das eigentlich mit den Kündigungsfristen? Kannst Du sofort mit bei einem neuen Job durchstarten oder gibt es mehr zu beachten? Was ist eigentlich, wenn Kündigungsfristen nicht eingehalten werden? Im folgenden Artikel erklären wir Dir die Kündigungsfristen und rechnen Dir anhand von Beispielen vor, wie sich das auf Kündigungserklärungen und Deinen Arbeitsvertrag auswirkt.

Was ist eine Kündigungsfrist?

Eine Kündigungsfrist im Arbeitsrecht ist der vorgegebene Zeitraum zwischen der Kündigungserklärung und der damit verbundenen Beendigung des Arbeitsvertrages. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können dadurch etwas vorausplanen, um sich etwa auf die Vakanz der neu zu besetzenden Arbeitsstelle einzustellen oder gegebenenfalls den Zeitraum nutzen, um sich ein neues Arbeitsverhältnis zu suchen.

Was gibt es beim Thema Kündigungsfristen zu beachten?

Das Thema Kündigungsfristen stellt sich auf den ersten Blick einfacher dar als es eigentlich ist; denn es gibt im Arbeitsrecht nicht pauschal eine Kündigungsfrist, vielmehr kommt es immer darauf an, ob eine besondere vertragliche Regelung im Rahmen des Arbeitsverhältnisses vereinbart wurde (z.B. durch individuelle vertragliche Vereinbarung oder durch Tarifvertrag) oder ob der gesetzliche Regelfall der Kündigungsfristen Anwendung findet.

Während bei individuellen Vereinbarungen im Arbeitsvertrag maßgeblich ist, was Du und Dein Arbeitgeber vereinbart haben, richtet sich der Normalfall einer Kündigung, wenn also keine zusätzliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber getroffen wurde, grundsätzlich danach, ob eine außerordentliche oder ordentlicheKündigung des Arbeitsvertrages ausgesprochen wurde. Weitergehende Informationen zur ordentlichen und außerordentlichen Kündigung findest Du in unserem Artikel „Was sind die Unterschiede zwischen einer ordentlichen und außerordentlichen Kündigung?“.

Bei einer außerordentlichen Kündigung wird das Arbeitsverhältnis in der Regel sofort beendet, eine Kündigungsfrist ist dabei nicht zu beachten. Das liegt unter anderem daran, dass in diesem Fall die Vertragspartei, die eine solche Kündigung ausspricht, ein Interesse daran und vor allem einen besonderen Grund hat, dass das Arbeitsverhältnis so schnell wie möglich beendet wird.

Anders verhält es sich im Falle der ordentlichen Kündigung. Hier gilt grundsätzlich für Dich und Deinen Arbeitgeber die gesetzliche Frist im Sinne des § 622 BGB. Nach § 622 BGB gibt es eine Zeitspanne von vier Wochen zum 15. Tag oder zum Ende eines Kalendermonats, die mindestens zwischen der Kündigungserklärung und des Endes Deines Arbeitsverhältnisses liegt. Eine Ausnahme dazu bilden Arbeitsverträge, die innerhalb der sog. Probezeit beendet werden. Hier gilt nach § 622 Abs. 3 BGB eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Individuell vertraglich kann davon abgewichen werden.

Kann eine Kündigungsfrist verlängert oder verkürzt werden?

Eine Kündigungsfrist verlängert sich für den Arbeitgeber abhängig von der Länge der Zeitspanne, in welcher Du als Arbeitnehmer beschäftigt bist, gem. § 622 Abs. 2 BGB. Nachfolgend eine Auflistung, wie sich die Kündigungsfristen abhängig vom Bestehen des Arbeitsverhältnisses verlängern:

  • Bei zweijährigem Bestehen: Hier verlängert sich die Kündigungsfrist nicht - sie beträgt einen Monat.
  • Bei fünfjährigem Bestehen: Verlängerung auf zwei Monate.
  • Bei achtjährigem Bestehen: Verlängerung auf drei Monate.
  • Bei zehnjährigem Bestehen: Verlängerung auf vier Monate
  • Bei zwölfjährigem Bestehen: Verlängerung auf fünf Monate.
  • Bei 15jährigem Bestehen: Verlängerung auf sechs Monate
  • Bei 20jährigem Bestehen: Verlängerung auf sieben Monate.

Allerdings kann durch Tarifvertrag oder in dessen Geltungsbereich durch nicht tarifgebundene Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber eine kürze Kündigungsfrist vereinbart werden, gem. § 622 Abs. 4 BGB.

Ferner kann für den Arbeitgeber auch eine gesonderte, längere Kündigungsfrist vereinbart werden, gem. § 622 Abs. 6 BGB. Eine Fristverlängerung für die Kündigungserklärung des Arbeitnehmers kann jedoch niemals vereinbart werden!

Wichtig! Für bestimmte Arbeitnehmergruppen gilt eine Privilegierung und damit ein besonderer Kündigungsschutz, der auch mit längeren Kündigungsfristen einhergeht. Erfahre mehr zum besonderen Kündigungsschutz in unserem gesonderten Artikel "Wann gilt ein besonderer Kündigungsschutz?.

Ein paar Rechenbeispiele

Beispiel 1 - betriebsbedingte Kündigung

Du bist fünf Jahre bei Deinem Arbeitgeber beschäftigt. Er kündigt das Arbeitsverhältnis am 15. Februar aus betrieblichen Gründen zum 15. April.

Hier hat Dein Arbeitgeber alles richtig gemacht. Da das Beschäftigungsverhältnis bereits 5 Jahre andauert, verlängert sich die Kündigungsfrist um einen Monat und beträgt somit zwei Monate. Beachte allerdings, dass Dir eventuell ein Anspruch auf Abfindung zusteht! Mehr Infos zum Thema Abfindung findest Du in unserem Artikel „Habe ich Anspruch auf eine Abfindung?“.

Beispiel 2 - außerordentliche Kündigung

Du bist seit einem Jahr bei Deinem Arbeitgeber beschäftigt. Er kündigt das Arbeitsverhältnis außerordentlich mit sofortiger Wirkung.

Grundsätzlich muss Dein Arbeitgeber hier keine Kündigungsfrist beachten, da er das Arbeitsverhältnis außerordentlich gekündigt hat. Allerdings stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob die außerordentliche Kündigung überhaupt wirksam war; denn hierfür benötigt Dein Arbeitgeber einen guten Grund. Lass Dich unbedingt fachlich beraten!

Beispiel 3 - verhaltensbedingte Kündigung

Du bist seit acht Jahren bei Deinem Arbeitgeber beschäftigt. Er kündigt den Arbeitsvertrag verhaltensbedingt am 29. März zum 1. Mai.

Hier hat sich Dein Arbeitgeber einen Patzer erlaubt. Einerseits besteht aufgrund des achtjährigen Beschäftigungsverhältnisses eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Andererseits hat er sich auch nicht an die gesetzlich vorgeschriebenen Kündigungstage (15. Tag oder Ende des Monats) gehalten. In jedem Fall ist die ausgesprochene Kündigung unwirksam. Richtig wäre gewesen in diesem Fall eine Kündigung zum Ende des Monats Juni, so dass am 1. Juli das Arbeitsverhältnis nicht mehr besteht. Unabhängig davon, solltest Du Dir die Frage stellen, ob die verhaltensbedingte Kündigung tatsächlich begründet war. Lass Dich rechtlich beraten!

 

Wurde Dir gekündigt und fragst Du Dich, was Du nun unternehmen sollst? Hat Dein Arbeitgeber die Kündigungsfrist eingehalten? Bist Du Dir nicht sicher, welche Ansprüche Dir zustehen und was Du unternehmen kannst? kontaktiere unser Expertenteam und lass Dich beraten! Einer unserer Spezialisten wird sich mit Dir so schnell wie möglich in Verbindung setzen.

Du kannst gleich einen Termin vereinbaren, rechne aus wie hoch Deine Abfindung sein könnte oder schreib uns einfach an, unter team@klagefuchs.de oder SMS/WhatsApp unter 0157 - 35 98 67 88.

Euer Daniel vom Klagefuchs-Team